Zahnpasta: Welche ist die passende für mich?
Zahnpasta gehört zur täglichen Zahnpflegeroutine, doch nicht jede Paste passt zu jedem Gebiss. Welches Produkt am besten geeignet ist, hängt unter anderem davon ab, ob man schmerzempfindliche Zähne oder Zahnfleischbluten hat, wie stark die Paste abreiben und wie viel Fluorid sie enthalten soll.
Welche Aufgaben erfüllt Zahnpasta bei der täglichen Mundhygiene?
Zahnpasta unterstützt die mechanische Reinigung der Zähne mit der Bürste. Dr. Tomas Hoischen, Zahnarzt mit eigener Praxis in München, sagt: „Zahnpasta fungiert als sanftes Reinigungsmittel, das Beläge (Plaque) anlöst und besser abwischbar macht.“ Insbesondere durch den enthaltenen Wirkstoff Fluorid trägt sie zusätzlich zur Stärkung des Zahnschmelzes und zur Kariesprophylaxe bei.
Welche Zahnpasta ist die richtige für mich?
„Das wichtigste Kriterium ist der Fluoridgehalt“, sagt Hoischen. Hier gilt: zirka 1.450 ppm („parts per million“ – Teile pro Million) für Erwachsene, für Kinder bis sechs Jahre 1000 ppm.
Ebenfalls wichtig ist der RDA-Wert (Abrieb), der zum Zustand des Zahnschmelzes passen sollte. Da der RDA-Wert nicht immer auf der Zahnpastaverpackung angegeben ist, sollten Kundinnen und Kunden im Zweifel auf Herstellerangaben, Produktinformationen auf der Website oder Rückfragen beim Hersteller zurückgreifen. „Wer empfindliche Zähne hat, kann von einer Paste mit niedrigem RDA-Wert (etwa 30 bis 50) profitieren, während Teetrinker, Rotweintrinker, Raucher oder Curry-Liebhaber eher zu einer etwas kräftiger reinigenden Variante greifen können“, erklärt Hoischen. Wichtig ist hier jedoch immer eine individuelle Beratung beim Zahnarzt oder der Zahnärztin.
Sind Zähne schmerzempfindlich, liegt das oft daran, dass am Zahnhals winzige Kanälchen im Zahnbein (Dentin) offenliegen: Kälte, Süßes oder auch Luft setzen dann Reize in Gang, die bis zum Zahnnerv weitergeleitet werden. Spezielle Zahnpasten enthalten deshalb Desensibilisierer: Manche Wirkstoffe (z. B. Zinnverbindungen oder Hydroxylapatit, ein calciumphosphathaltiger Mineralstoff) können diese Kanälchen wie mit einem Schutzfilm abdichten. Andere (etwa Kaliumsalze) zielen eher darauf ab, die Nervenreaktion zu dämpfen.
Bei Zahnfleischbluten können antibakterielle Zusätze wie Zink unterstützen. Auch pflanzliche Zusätze wie beispielsweise Salbei-, Kamillen- oder Myrrhenextrakte sind in manchen Zahncremes und Mundspülungen enthalten. Sie können das Zahnfleisch beruhigen und entzündungshemmend wirken – und so bei gelegentlichem Zahnfleischbluten unterstützend helfen.
Wichtig: Wenn das Zahnfleisch regelmäßig beim Putzen der Zähne oder der Zahnzwischenräume blutet – also mehr als ein bis zwei Wochen lang trotz sorgfältiger Mundhygiene – sollte das zahnärztlich abgeklärt werden. Dies gilt erst recht, wenn Schwellung, Rötung, Mundgeruch, Schmerzen oder Zahnfleischrückgang dazukommen – denn dann kann eine Gingivitis, also Zahnfleischentzündung, oder (beginnende) Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparats) dahinterstecken, die zahnärztlich behandelt werden muss.
Warum ist Fluorid so wichtig – und was gilt für Kinder?
Hoischen betont die Wichtigkeit des Spurenelements Fluorid in Zahnpasten: „Es wirkt wie ein Schutzschild für die Zähne, indem es Mineralien wieder in den Zahnschmelz einbaut, die durch Säuren verloren gegangen sind, und macht ihn so widerstandsfähiger. Man kann es sich als ‚Härter‘ vorstellen, der den Zahn repariert, bevor ein Loch (Karies) entstehen kann.“ Diese Wirkung ist in Studien nachgewiesen. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) beschreibt Fluoride als zentrale Säule der Kariesvorbeugung.
Bei Kindern ist Fluorid in der Zahnpasta besonders wichtig, weil der Zahnschmelz der Milchzähne noch nicht so stark ist und Karies schneller entstehen kann. Fluorid hilft, den Zahnschmelz zu stärken, indem es Mineralien in den Zahn einlagert. Dadurch werden die Zähne widerstandsfähiger gegen Karies.
Für Kinder sollten je nach Alter spezielle (altersgerecht deklarierte) Zahnpasten verwendet werden, weil vor allem die richtige Dosierung (Menge auf der Bürste + Konzentration) zählt und Kinder die Zahnpasta anfangs häufiger schlucken. Wichtig ist auch, Fluorid aus mehreren Quellen (zum Beispiel fluoridhaltige Zahnpasta und Fluoridtabletten, auch in Kombinationspräparaten) in zahnärztlicher oder kinderärztlicher Absprache aufeinander abzustimmen, um eine unnötig hohe Gesamtaufnahme zu vermeiden.
Was ist Whitening-Zahnpasta und was kann sie leisten?
Das bewirkt sie
Mittlerweile gibt es einen großen Markt für sogenannte Whitening-Zahnpasten, die die Zähne aufhellen sollen. Man unterscheidet bei Whitening-Zahnpasta grob zwischen abrasiv/polierend, enzymatisch und Produkten mit einem optischen Soforteffekt durch blaue Farbpigmente.
Dr. Beate Jürgens, zertifizierte Spezialistin für Funktion und Ästhetik in der Zahnheilkunde (DGÄZ), ordnet ein: „Whitening-Zahnpasten hellen Zähne meist nicht wirklich auf, sondern entfernen vor allem äußere Verfärbungen durch Putzkörper, Polierstoffe oder Enzyme.“ Manche Produkte enthalten kleine Mengen Peroxid. Dieser Stoff kann Verfärbungen auf den Zähnen leicht aufhellen, indem er Farbstoffe verändert. „Der Haupteffekt ist aber meist die Entfernung von Oberflächenbelägen“, so Jürgens.
Studien zeigen, dass die Zähne so tatsächlich überflächlich aufgehellt aussehen können.
Das bewirkt sie nicht
Laut Expertin Jürgens ist die Wirksamkeit von Whitening-Zahnpasta begrenzt, wenn es um Verfärbungen im Inneren des Zahns geht. Solche Verfärbungen können zum Beispiel entstehen, wenn Tetracyclin-Antibiotika während der Zahnentwicklung eingenommen wurden, nach Zahnverletzungen oder auch mit zunehmendem Alter.
„Wer deutlich hellere Zähne möchte, erreicht das mit Zahnpasta in der Regel nicht – sondern nur durch ein Bleaching beim Zahnarzt, also eine chemische Aufhellung des natürlichen Zahns“, fasst Jürgens zusammen.
Bei extremen Werbeversprechen wie „mehrere Stufen weißer in wenigen Tagen“ oder bei Whitening-Produkten ohne klaren Kariesschutz ist Skepsis geboten. Wichtig bei der Anwendung: Man soll auch nicht stärker schrubben – in dem Glauben, dadurch ein besseres Ergebnis zu erzielen. Sonst kann der Zahnschmelz eventuell zu stark abgerieben werden – und die Paste schadet mehr, als sie nützt.
Wichtig zu wissen: Künstliche Materialien wie Kronen, Füllungen, Veneers oder Kunststoffklebungen können nicht aufgehellt werden.
Zahnpasta mit Whitening-Effekt kann tatsächlich auch schaden – „vor allem, wenn sie einen RDA-Wert von mehr als 160 hat oder mit viel Druck geputzt wird“, warnt Jürgens. Dann könne sie auf Dauer Schmelz und freiliegendes Dentin (die Schicht unter dem Zahnschmelz) stärker abnutzen und Empfindlichkeiten fördern. Problematisch sind aus ihrer Sicht auch manche Aktivkohle-Zahnpasten, bei denen Nutzen und Sicherheit oft schlechter belegt sind.
Whitening-Zahnpasten sind eher ungeeignet, wenn Zähne oder Zahnhälse ohnehin empfindlich sind – etwa weil Zahnhälse frei liegen, der Zahnschmelz bereits Vorschäden hat, durch Säuren angegriffen wurde oder die Zahnoberfläche schon deutlich abgerieben ist (zum Beispiel durch zu festes Putzen oder Knirschen). Auch bei kleinen, kerbenartigen Stellen am Zahnhals – erkennbar oft eher an Empfindlichkeit bei Kälte oder Süßem als mit dem bloßen Auge – sind Whitening-Zahnpasten meist keine gute Wahl.
Auch nach Zahnbehandlungen wie einer professionellen Zahnreinigung, einer Zahnfleisch-/Parodontalbehandlung, nach Bleaching oder direkt nach frischen Füllungen sollte man vorübergehend lieber zu einer sanften Sensitiv-Zahnpasta greifen und im Zweifel in der Praxis nachfragen.
Wie sieht die ideale Putzroutine aus?
Für Erwachsene reicht eine erbsengroße Menge an Zahnpasta völlig aus – mehr bringt keinen zusätzlichen Reinigungseffekt, sondern schäumt nur unnötig stark. Bei Kindern unter zwei Jahren genügt sogar eine Menge, die so klein ist wie ein Reiskorn. Allgemein gilt – für Kinder und Erwachsene: zweimal täglich für mindestens zwei bis drei Minuten Zähne putzen, um alle Flächen auch wirklich zu erreichen.
Wichtiger als die reine Zeit ist jedoch die Technik: „Jede Stelle im Mund muss einmal bearbeitet worden sein. Wichtig dabei: nicht die Reinigung der Zwischenräume mit Zahnseide oder Interdental-Bürstchen vergessen“, sagt Hoischen.
Was passiert bei unzureichender Zahnpflege?
Werden die Zähne nicht geputzt, bleibt auf ihnen ein klebriger Bakterienfilm. Dieser produziert Säuren, die dem Zahnschmelz Mineralstoffe entziehen und ihn mit der Zeit schwächen – es entsteht Karies.
Außerdem kann das Zahnfleisch durch Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte gereizt werden: „Es entzündet sich, schwillt an und blutet leichter“, erklärt Hoischen. Bleibt diese Entzündung unbehandelt und greift auf den Zahnhalteapparat über, sprechen Fachleute von Parodontitis. „Dann kann sich das Zahnfleisch zurückziehen und langfristig auch der Kieferknochen abgebaut werden“, erklärt der Zahnarzt. Neben Zahnfleischbluten können auch ein raues Gefühl auf den Zahnflächen oder Mundgeruch darauf hindeuten, dass Beläge nicht gründlich genug entfernt werden.
Quelle: "Apotheken Umschau" 09 B/2026
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