Schon wieder Blasenentzündung?! Was tun, wenn sie immer wieder kommt?

Eine Blasenentzündung kommt oft plötzlich und für manche Menschen leider immer wieder. Was sind die häufigsten Ursachen für eine chronische Zystitis? Wie wird die chronische Blasenentzündung üblicherweise behandelt? Und gibt es auch pflanzliche Wundermittel, die wirklich helfen, sodass man nicht auf Antibiotika zurückgreifen muss?

Was ist eine wiederkehrende Blasenentzündung?

Jede zweite Frau und jeder zehnte Mann machen in ihrem Leben mindestens eine Blasenentzündung (Zystitis) durch. Wenn innerhalb von sechs Monaten mindestens zwei Blasenentzündungen oder innerhalb eines Jahres mindestens drei auftreten, spricht man per Definition von einer rezidivierenden, also einer wiederkehrenden Harnwegsinfektion.

Die Blasenentzündung wird häufig durch eine Infektion mit Bakterien, seltener mit Viren, Parasiten oder Pilzen ausgelöst. Dabei gelangen Erreger von außen über die Harnröhre in die Blase und führen dort zu Symptomen wie häufigem Harndrang, Brennen beim Wasserlassen, Unterleibsschmerzen, bis hin zu blutigem Urin.

Was sind Ursachen und Risikofaktoren für eine Blasenentzündung?

In den meisten Fällen wird eine Blasenentzündung durch Escherichia coli (E. coli) verursacht – ein Darmbakterium, das in die Harnwege gelangt und dort Entzündungen auslösen kann. Weitere mögliche Erreger sind Enterobakterien oder Streptokokken, die sich ebenfalls in den Harnwegen ausbreiten können.

Häufig kann es auch beim Geschlechtverkehr zu einer Infektion kommen, da Bakterien aus dem Anal- und Genitalbereich leichter in die Harnröhe gelangen können. Man spricht deshalb auch von der sogenannten Honeymoon-Zystitis. „Hier hilft es, umgehend nach dem Sex aufs Klo zu gehen und die Blase zu entleeren, um mögliche Keime auszuspülen", empfiehlt Prof. Dr. Ursula Peschers, Fachärztin für Gynäkologie und Urogynäkologie am Isar Klinikum München.

Auch Menschen mit Diabetes leiden häufiger an Harnwegsinfekten. Diabetes schwächt das Immunsystem und macht den Körper anfälliger für Infekte. Auch können Nervenschäden in der Blase dazu führen, das Gefühl für eine vollständige Entleerung zu verlieren. Zudem können hohe Blutzuckerwerte das Wachstum von Bakterien in der Blase begünstigen. „Diabetikerinnen haben bis zu 25-mal häufiger Harnwegsinfektionen als Frauen ohne Diabetes“, sagt Peschers.

Bei Männern mit Diabetes ist das Risiko etwa 20-mal höher als bei Nicht-Diabetikern. Auch bestimmte Diabetes-Medikamente – wie SGLT2-Hemmer – stehen im Verdacht, Harnwegsinfekte zu begünstigen. „Frauen mit Diabetes, die öfter Blasenentzündung haben, sollten die Medikamentengabe im Zweifelsfall mit ihrem Arzt besprechen“, so die Gynäkologin.

Warum haben Frauen häufiger Blasenentzündungen als Männer?

Frauen sind besonders oft betroffen – aus anatomischen Gründen. „Die weibliche Harnröhre ist wesentlich kürzer als die männliche, sodass Bakterien leichter in die Blase aufsteigen können“, sagt Gynäkologin Peschers. Mehr als die Hälfte aller Frauen erleidet mindestens einmal in ihrem Leben eine Blasenentzündung, und viele kämpfen mit wiederkehrenden Infektionen.

Ein weiterer Risikofaktor bei Frauen ist der Hormonhaushalt. „Nach den Wechseljahren haben Frauen weniger Östrogen, dadurch verändert sich das Scheidenmilieu“, sagt Peschers. Die natürliche Schutzbarriere gegen Keime wird geschwächt. Dadurch steigt das Infektionsrisiko für ältere Frauen an.

Wie wird eine Blasenentzündung konventionell behandelt?

Früher galt der Grundsatz: Blasenentzündung = Antibiotika. Doch mittlerweile gehen Mediziner vorsichtiger mit den Arzneimitteln gegen Bakterien um. „Antibiotika bringen das Mikrobiom durcheinander und können Resistenzen fördern“, sagt Dr. Giuseppe Magistro, Urologe und Chefarzt der Klinik für Urologie am Asklepios Westklinikum Hamburg. „Wir versuchen sie nur einzusetzen, wenn es wirklich notwendig ist.“

Stattdessen wird oft mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac sowie pflanzlichen Präparaten gearbeitet, um Symptome zu lindern, bis der Körper die Infektion selbst bekämpft hat. Wer länger unter den Symptomen einer Blasenentzündung leidet, sollte sich unbedingt medizinischen Rat holen, um mit der Ärztin oder dem Arzt die richtige Therapie zu besprechen.

Alternative Heilmethoden: Welche Wundermittel helfen wirklich gegen Blasenentzündung?

Nicht jedes Hausmittel ist sinnvoll, aber einige pflanzliche Mittel sind bei einer wiederkehrenden Blasenentzündung nachweislich wirksam:

  • D-Mannose: Dieser mit Glucose verwandte Zucker soll verhindern, dass sich Bakterien an der Blasenwand festsetzen. Studien legen nahe, dass Mannosepulver die Behandlung von Blasenentzündungen unterstützen kann. Es gibt jedoch keine gesicherten Daten, ob die Präparate auch präventiv gegen wiederkehrende Harnwegsinfekte vorbeugen können.
  • Kapuzinerkressekraut und Meerrettichwurzel: Diese Pflanzen enthalten Senföle mit antibakteriellen Eigenschaften und gelten als natürliche Alternative zu Antibiotika. „Hochdosierte Extrakte aus Rosmarin oder Liebstöckel sind für die Bakterien ebenfalls ungenießbar und schränken ihre Aggressivität ein“, sagt Urologe Magistro.
  • Cranberries: Es ist wohl kein Mythos, dass Cranberries die Heilung einer Blasenentzündung unterstützen können. Einige Studien deuten darauf hin, dass Cranberry-Präparate gegen Infekte helfen können. Die Studienlage ist allerdings nicht eindeutig.
  • Einige Frauen schwören auf Backpulver als Hausmittel. Gynäkologin Peschers hält davon nichts: „Ich habe noch nie eine Studie gesehen, die das belegt.“ Tatsächlich kann ein Versuch, seinen Harn mithilfe von selbst gemixten Getränken basisch zu bekommen, sogar schaden. „Der ph-Wert im Magen kann dadurch belastet werden, was zusätzliche Beschwerden verursachen kann.“

Maßnahmen und Prävention bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten

  • Genug Flüssigkeit: Wer an wiederkehrenden Blasenentzündungen leidet, sollte täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee trinken, um die Harnwege regelmäßig zu spülen. Außerdem Getränke meiden, die die Blase zusätzlich reizen könnten, wie Kaffee oder Alkohol.
  • Normale Intimhygiene: „Übertriebene Reinigung kann die Schleimhäute schädigen und damit das Eindringen von Bakterien begünstigen“, sagt Urologe Magistro. Tragen Sie außerdem Baumwollunterwäsche und locker sitzende Kleidung.
  • Nach dem Sex zur Toilette gehen: Das spült Keime aus der Harnröhre, bevor sie in der Blase zu Problemen führen können. Generell sollten Sie den Harndrang nicht unterdrücken und regelmäßig die Blase entleeren.
  • Hormonelle Unterstützung nach den Wechseljahren: Vaginale Östrogenpräparate wie Zäpfchen oder Cremes können Frauen nach der Menopause helfen, das Infektionsrisiko zu senken. Die Arzneimittel enthalten Hormone, die unter anderem das Milieu der Scheide verändern, die dann weniger austrocknet. Fragen Sie dazu bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt nach.
  • Der wichtigste Rat beider Experten für Menschen mit Diabetes: den Blutzucker gut einstellen. „Wenn der HbA1c-Wert nicht im Zielbereich liegt, steigt die Infektanfälligkeit – auch für Blasenentzündungen – erheblich“, so Urologe Magistro

 Quelle: "Apotheken Umschau" 06 B/2026

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